Archiv für 'Wörter unter der Lupe'

Grinsen wie ein Honigkuchenpferd

Mittwoch, 17. Dezember 2008

“Der grinst ja wie ein Honigkuchenpferd” - habt Ihr diesen Spruch auch schon gehört und Euch gefragt, woher er wohl kommen mag? Das Honigkuchenpferd ist ein Gebäck aus Honig, Butter, Wasser, Mehl und Lebkuchengewürz in der Form eines Pferdes. Besonders beliebt ist es natürlich bei Kindern. Es scheint so, dass Honigkuchenpferde die Kinder förmlich anstrahlen, und sie sich freuen, vernascht zu werden. Daher kommt auch der Ausdruck. Wenn jemand dieses Gesichtsausdruck hat, dann hat er irgendwie auch etwas kindliches an sich und freut sich.

Eskimo

Sonntag, 14. Dezember 2008

Sie tragen lustige Anoraks mit weißen Fellbesätzen, leben in Eisblockhäusern und fahren den ganzen Tag mit Hundeschlitten spazieren. Das sind die Klischees, die uns bei dem Wort Eskimo einfallen. Die Wirklichkeit der Arktisbewohner ist nicht so lustig, und sie mögen es auch nicht, wenn man sie Eskimo nennt, denn dieser Begriff stammt aus dem Indianischen und heißt Rohfleischesser (wir wären demnach fast alle “Gekochtfleischesser”). Lieber ist es ihnen, wenn man sie Inuit nennt - das bedeutet einfach “Menschen”.

Lebkuchen

Sonntag, 7. Dezember 2008

Ich bin nicht so ein Fan von Lebkuchen, er ist mir irgendwie zu klebrig. Aber für die meisten ist Lebkuchen unwiderstehlich - das bewiesen auch Hänsel und Gretel, als sie am Lebkuchenhaus knabberten. Aber was bedeutet eigentlich die Silbe “Leb” vor dem Kuchen? Ganz einig sind sich die Gelehrten nicht, doch mit “Leben” hat es definitiv nichts zu tun. Die einen glauben, dass es vom lateinischen “libum”, Fladen, kommt; andere führen es auf das germanische “laib”, Brot, zurück. Einfacher hat es der Pfefferkuchen, ein anderes Wort für Lebkuchen. “Pfeffer” steht hier stellvertretend für die Zutaten Muskat, Nelken, Zimt und Anis, die früher ebenso exotisch waren wie der Pfeffer.

Anpflaumen

Dienstag, 2. Dezember 2008

Angepflaumt zu werden ist nicht angenehm: Meist wird man es unerwartet und ruppig, denn Anpflaumern mangelt es an Respekt und oft auch an der notwendigen Objektivität. Aber selbst für den Fall, dass eine Kritik angebracht war - in diesem Ton vorgetragen, ist sie eine Unverschämtheit. Das Wort anpflaumen ist erst im 20. Jahrhundert entstanden. Vielleicht standen hier die berühmten faulen Tomaten Pate, die bei schlechten Auftritten Richtung Bühne flogen. Hinterrücks mit überreifen, klebrigen Pflaumen beworfen zu werden, ist jedenfalls genauso fies.

Jemandem das Wasser abgraben

Dienstag, 25. November 2008

Wenn Euch jemand das Wasser abgräbt, solltet Ihr vorsichtig sein, denn Eure berufliche oder private Position ist in Gefahr. Der Ausdruck stammt aus der Zeit, als das Korn noch in Mühlen gemahlen wurde. Da sich das Mühlrad ohne Wasserkraft nicht dreht, müsste der Müller seinen Beruf aufgeben, wenn jemand den Wasserzulauf zu seiner Mühle verändert - also das Wasser abgraben - würde. Noch heute bezeichnet der Ausdruck eine gewollt niederträchtige Handlung - denn rein zufällig wurde auch damals dem Müller nicht das Wasser abgegraben.

Elektron

Sonntag, 23. November 2008

Dieses Phänomen ist jedem bekannt: Reibt man mit einem Löffel über ein Stück Stoff, lädt er sich auf. Je nach Leichtigkeit des Stoffes bleibt er sogar am Löffel hängen. Dieses Phänomen der Reibungselektizität hatten bereits die alten Griechen beobachtet, und zwar an einem Werkstoff, der damals wie heute begehrt war: an Bernstein. Dieses Harz hieß auf Griechisch “elektron”. Der Begriff liegt heute allem zugrunde, was mit diesen geheimnisvollen Kräften zu tun hat: der Elektrizität, der Elektronik und natürlich dem negativ geladenen Elementarteilchen, dem Elektron.

Kauderwelsch

Montag, 17. November 2008

Wer Kauderwelsch spricht, hat ein Problem: Das ging einst auch den germannischen Alemannen so, als sie in die Schweiz einwanderten. Vor allem im Westen fanden sie Kelten vor, die während der römischen Herrschaft romanisiert worden waren. Einer der keltischen Stämme waren die “walhoz”, die Volsker. Aus diesem Wort entstand “walhisch oder walch”, was nicht mehr weit von unserem “welsch” entfernt ist und noch heute “romanisch” bedeutet. Man vermutet, dass Kauder aus der tirolischen Bezeichnung Kauer für die graubündische Stadt Chur entstanden ist - demnach wäre das Welsch in dieser Ecke besonders schwer zu verstehen gewesen.

Cocktail

Mittwoch, 5. November 2008

Das Wort Cocktail stammt aus dem Englischen und bedeutet “Hahnenschwanz”. Warum die bunten Getränke so heißen, ist allerdings nicht gesichert. Die einen führen den Namen auf die ausgerupften Federn nach dem Hahnenkampf zurück, auf deren Wohl getrunken wurde (”On the cock’s tail”). Andere vermuten dahinter den französischen Eierbecher (”coquetier”), aus dem man angeblich trank. Wieder andere meinen, dass der Name von Getränken stammt, die nicht gemixt, sondern geschichtet wurden. Es war das Nebeneinander der bunten Likörschichten, das die Erinnerung an einen bunten Hahnenschwanz wach rief.

Heiland

Montag, 3. November 2008

Jesus Christus, der Sohn Gottes, trägt viele Namen; unter anderem ist er der Messias; der Salvator und der Heiland. Das ursprüngliche Wort Christus bedeutet übrigens das Gleiche wie das hebräische Messias: Es ist “der Gesalbte”. “Salvator” hingegen stammt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt “der Erretter”. Heiland wiederum ist eine germanische Wortbildung. Als Partizip Präsens des althochdeutschen Verbs heilen - “heilant” - ist der Heiland der Heil- oder Gesundmachende und das Wort damit ein weiterer Ehrentitel für “Den Erlöser”.

Schindluder

Sonntag, 26. Oktober 2008

Wenn wir mit etwas Schindluder treiben, dann benutzen wir dieses Etwas nicht fachgerecht. Treiben wir gar mit einem Menschen Schindluder, dann behandeln wir ihn sehr gemein und verächtlich. Ursprünglich verwendete man den Begriff Schindluder für ein todkrankes, misshandeltes Haustier. Das Wort “schinden” bezeichnete eigentlich das Häuten toter Tiere, und der “Schinder” war der Abdecker, der für die Beseitigung der Kadaver zuständig war. “Luder” wiederum stammt aus der Jägersprache und ist noch heute ein Fachbegriff für das als Köder ausgelegte tote Tier.