Archiv für 'Wörter unter der Lupe'

Katastrophe

Sonntag, 15. März 2009

“Bin ich ein Mann? Und ist ein Mann nicht dumm? Also hab’ ich geheiratet: Frau, Kinder - die ganze Katastrophe!”, meinte einst Alexis Sorbas in dem gleichnamigen Kultfilm von Michael Cacoyannis. Für den Lebenskünstler Sorbas war Heirat eine eindeutige Veränderung zum Schlechten, ein Unglück. Das aus dem griechischen stammende Fremdwort besteht aus “Kata”, “gegen” und “strephein”, “drehen”, was zusammen eine Wende in gegenläufiger Richtung ergibt. Ursprünglich stammt das Wort aus der Theatersprache und war ein Fachbegriff für die entscheidende Wendung am Ende eines Dramas.

Tulpen

Sonntag, 8. März 2009

Natürlich aus Amsterdam!? Von wegen: Die sinnenfrohe Blume hatte im 16. Jahrhundert ihren Weg zunächst von Konstantinopel nach Wien gefunden. Von dort erst kam sie in die Niederlande, wo sie eine regelrechte “Tulpomanie” auslöste: Zeitweise konnte man für eine einzige Tulpenzwiebel sogar eine zweispännigen Wagen kaufen. Den stolzen Namen Tulpe trägt die Blume, weil sie dem “dulband”, einer spitz nach oben zulaufenden Kopfbedeckung so ähnlich sah, die im Orient einstmal üblich war. Von diesem persischen Wort stammt auch der Turban ab.

Firma

Sonntag, 22. Februar 2009

Ist die Firma mit dem Firmament und der Firmung verwandt? Ja, denn in allen drei Begriffen steckt das lateinische Wort “firmus” für “fest, stark”. Im Falle der Firma wurde ein Unternehmen nämlich erst durch eine Unterschrift rechtskräftig oder besser: “fest” gemacht (in Italien heißt “firma” noch heute nur “Unterschrift”.) Beim Firmament war es die Vorstellung des über der Erde festgemachten Himmels. Und bei der Firmung (oder auch Konfirmation) soll die durch die Taufe vollzogene Aufnahme in die christliche Gemeinschaft nochmals bestätigt, also gestärkt werden.

Etwas durch die Blume sagen

Sonntag, 15. Februar 2009

Wer etwas durch die Blume sagt, traut sich nicht, etwas direkt zur Sprache zu bringen. Hintergrund dieses Ausdrucks ist aber nicht, dass man sein Anliegen unverständlich durch einen Blumenstrauß nuschelte. Vielmehr war mit der “Blume” das lateinische “flosculus” gemeint, “das Blümchen” also, mit dem schon die alten Römer ihre Reden gern ausschmückten. Diese “Redeblume” lebt in dem Wort “Floskel”, einer leeren Redensart, weiter. Man kann aber auch etwas durch die Blume sagen, indem man sie selbst sprechen lässt: Rote Rosen stehen bekanntlich für innige Liebe.

Den Laufpass geben

Montag, 2. Februar 2009

Wenn ein Mädchen von einem Jungen nichts mehr wissen will (oder umgekehrt)  :-) , dann gibt es ihm den Laufpass. So einen Laufpass könnte man sich nun als ein Büchlein vorstellen, das zwei Liebende für die Dauer ihrer Beziehung austauschen. Gibt einer das Büchlein zurück, wüsste der andere ohne viel Worte, dass die Partnerschaft nun beendet ist. In Wahrheit kommt aber das Wort aus dem Militärischen: Wer früher als Soldat aus der Armee ausschied, bekam einen Laufpass überreicht. Dieser Entlassungsschein half ihm dann bei der Arbeitssuche.

Ins Fettnäpfchen treten

Sonntag, 25. Januar 2009

“Bei dem bist du aber ganz schön ins Fettnäpfchen getreten!” Wer das zu hören bekommt, hat sich gerade (vermutlich unwissentlich) daneben benommen. Die Redensart geht zurück auf eine alte Sitte im Erzgebirge. Dort stelle man in der Nähe der Eingangstür, wo die Eintretenden die Schuhe wechselten, einen Napf mit Schuhfett auf; mit diesem Fett konnte man die nassen Stiefel einreiben. Wenn jemand versehentlich in den Napf trat und deshalb Fettflecke auf dem Boden hinterließ, war man bei der Frau des Hauses natürlich nicht sehr beliebt.

Guillotine

Montag, 12. Januar 2009

Das Fallbeil mit dem melodiösen Namen hat seinen Ursprung in der französischen Revolution. Damals wurde heftig über die Todesstafe diskutiert und auch darüber, sie weniger grausam und “demokratischer” zu gestalten - bis dahin wurden nur Adelige geköpft, das gemeine Volk aber gehenkt, verbrannt oder gevierteilt. Das Wort Guillotine geht zurück auf Joseph-Ignace Guillotin, einen Verfechter humaneren Tötens. Offiziell benannt wurde die Maschine jedoch nach dem Arzt Antoine Louis. Hätte sich diese Bezeichnung durchgesetzt, wäre Ludwig XVI. 1793 auf der Louisette gestorben.

Strolch

Sonntag, 4. Januar 2009

Strolche sind kleine Gauner, vor denen man sich besser in Acht nimmt. Heute wird der Begriff meist liebevoll für Kinder benutzt, die harmlose Streiche spielen. Einer Vermutung nach liegt der Ursprung des Wortes im Mittelalter: Damals zogen mit den herumvagabundierenden Heeren neben Marketendern und Gauklern auch Astrologen mit, die gegen Geld in die Zukunft zu sehen versprachen. In der Lombardei entwickelte sich darauf aus dem “astrologo” das abschätzige Wort “stromlegh” für “Herumtreiber, betrügerischer Gaukler”. Landsknechte brachten das Wort schließlich in den süddeutschen Raum mit.

Punsch

Sonntag, 28. Dezember 2008

Ein Weihnachtsmarkt ohne Punschstand - undenkbar. Zu verdanken haben wir das heiß-würzige Wintergetränk den Händlern der britischen Ostindienkompanie. Sie brachten es einst aus Indien zu uns nach Europa. Damals benötigte man für einen Punsch angeblich genau fünf Dinge: Zucker, Zitronensaft, Wasser, Gewürz und Arrak, einen Branntwein. Diese Anzahl der Zutaten soll es gewesen sein, die die Briten bei der Ernennung des Getränks inspirierte: Hinter “punch”, dem englischen Wort für Punsch, steckt die gleich klingende Hindi-Zahl “panc” für fünf.

Xanthippe

Dienstag, 23. Dezember 2008

Xanthippen kneifen, geifern und ruinieren die Nerven ihrer Ehemänner. Xanthippe hieß einst die Gattin des griechischen Philosophen Sokrates. Sie lebte im 5. Jahrhundert v. Chr. und man weiß heute nicht so recht, ob sie tatsächlich so unerträglich war, zumal die meisten Aussagen über sie von Sokrates’ Schülern stammten. Einer der Streitpunkte zwischen den Eheleuten aber war, dass Sokrates lieber mit diesen herum philosophierte, statt sich um den Lebensunterhalt seiner Familie zu kümmern. Ist von einer Frau mit drei Kindern in so einer Situation Geduld und Sanftmut zu erwarten? Urteilt selbst.