Archiv für 'Bücher'

“Ungeduld des Herzens”

Mittwoch, 18. März 2009

Ich mag Bücher … weil sie mich manchmal wegen ihrer grandiosen Sprache fazinieren, wie bei diesem Roman von Stefan Zweig.

Kurzbeschreibung des Buches:

Der in einem langweiligen ungarischen Garnisionsstädtchen stationierte Leutnant Anton Hofmiller erhält eine Einladung in das Schloß des ungarischen Magnaten Lajos von Kekesfalva. Dessen gelähmte Tochter Edith verliebt sich in den jungen Offizier, Hofmiller aber empfindet nur Mitleid für das “arme Kind”. Darum und aus Feigheit verschweigt er Edith seine wahren Gefühle, macht der Unheilbaren Hoffnung auf eine baldige Genesung, verlobt sich sogar mit ihr, steht aber in der Öffentlichkeit aus Angst vor Spott und Verachtung nicht zu seiner Verbindung mit der Gelähmten. Als diese seinen Verrat durchschaut, nimmt sie sich das Leben. Hofmiller flüchtet in den kurz darauf ausbrechenden Weltkrieg, wie ein Verbrecher ins Dunkel und kehrt als ein Held zurück.

In diesem einzigen Roman von Stefan Zweig beherrscht er die Sprache, wie ich es bisher nur bei wenigen Literaten gelesen habe. Das Buch zeigt die Tücken der menschlichen Seele ebenso wie die verschiedenen Arten des Mitleids. Eigentlich erreicht der Leutnant mit seinem unaufrichtigen Mitleid genau das Gegenteil von dem, was er beabsichtigt.

Vom sprachlichen her wirklich eins der besten Bücher, das ich gelesen habe.

” … in die weite Welt hinein”

Mittwoch, 11. März 2009

Ich mag Bücher … weil ich nun mal nicht dumm sterben will.

Ob und was ich jetzt alledings bei diesem Buch von Michael Klaus gelernt habe, weiß ich auch noch nicht so genau.

Wäre Michael Klaus in Brilon-Wald geblieben, wo er 1952 geboren wurde, säße er später auf dem Dach seines Elternhauses “und würde schreien und mit Steinen schmeißen”. Stattdessen wuchs Michael Klaus im Ruhrgebiet auf und erlernte das ironisch gebrochene Lebensgefühl von der Pike auf. Mit der in diesem Band zusammengestellten Kurzprosa erzählt der virtuose Satiriker Michael Klaus nach Jahrzehnten geordnet von seiner Kindheit und Jugend, von den Abgründen des Alltags in Gelsenkirchen und von jenem merkwürdig schrägem Lebensgefühl, das die verlässlichste Konstante im Ruhrgebiet zu sein scheint. Michael Klaus’ Miniaturen sind vertrackte Urlaubsgrüße aus dem Alltag, “Geschenke vom seltsamen Lieblingsonkel” (Süddeutsche Zeitung) - “virtuos verschratet” (DIE ZEIT). Gelsenkirchen ist überall.

“Tödliche Fesseln”

Sonntag, 22. Februar 2009

Ich mag Bücher … weil sie mich wie eine gute Freundin täglich durch den Tag begleiten und mich am Ende des Tages in die Nachtruhe entlassen.

Selbst nach diesen Krimigeschichten, herausgegeben von Mary Higgins Clark konnte ich wunderbar schlafen.

Mit Tödliche Fesseln hat Mary Higgins Clark die ihrer Meinung nach schönsten unterhaltenden Krimi-Kurzgeschichten der Mystery Writers of America gesammelt und herausgegeben. Es sind spannende und scharfsinnige Erzählungen über Leute, die im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit stehen.

Die spannenden Stories stammen zumeist von hierzulande leider unbekannten Schreibern, was der Qualität der Geschichten aber keinen Abbruch tut. Spannung und Gänsehaut sind garantiert.

“Denn vergeben wird dir nie”

Mittwoch, 11. Februar 2009

Ich mag Bücher … weil sie so vielfältig, aber auch weil sie gut sind. Hier mal wieder ein Krimi von Mary Higgins Clark.

Ellie Cavanaugh ist außer sich, als der Mörder ihrer Schwester vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen werden soll. Zumal er nach wie vor behauptet, unschuldig zu sein. Ellie ist seit dem Geschehen vor zwanzig Jahren fest von seiner Schuld überzeugt. Jetzt will sie den entgültigen Beweis dafür erbringen.

Mary Higgins Clark schreibt tolle Spannungsromane, doch mit dem hier ist ihr wieder einmal ein süchtigmachendes Werk gelungen. Für mich leider zu kurz geraten, aber dennoch spannend bis zur letzten Seite. Ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, so gefesselt war ich von der Geschichte um Ellie und ihrer ermordeten Schwester. Ich möchte hier nicht zuviel verraten, denn schließlich soll die Spannung erhalten bleiben. Ich kann es allen Fans von Mary Higgings Clark empfehlen, sowie denen, die es werden wollen.

“Späte Familie”

Mittwoch, 4. Februar 2009

Ich mag Bücher … weil sie spannend sind, gut unterhalten und oft eine unglaubliche Sprache haben, wie dieser Roman von Zeruya Shalev.

Das Scheitern einer Ehe vollzieht sich oftmals langsam und schleichend, wie eine allmähliche Vergiftung. In Zeruya Shalevs Roman beschließt eine Frau, diesem quälenden Prozess ein jähes Ende zu setzen. Von einem Tag auf den anderen trennt sie sich von ihrem Mann, fordert ihn auf, die Wohnung zu verlassen. Sie bleibt zurück mit ihrem gemeinsamen Kind, und in der plötzlichen Einsamkeit weicht die anfängliche Erleichterung bald tiefer Verunsicherung.

Dies ist der Roman einer Krise, einer existentiellen Bruchstelle im Leben der selbstständigen, selbstbewussten Frau und erfolgreichen Wissenschaftlerin. Statt die lang ersehnte Freiheit zu genießen, sieht sie sich mit lähmenden Zweifeln und Ängsten konfrontiert. Hat sie selbstsüchtig ihrem Kind den Vater, die Familie genommen? In einer schmerzlichen, den Leser tief aufrührenden Entwicklung erwächst aus der emotionalen Grenzerfahrung aber auch Hoffnung und Erkenntnis: Man kann einen Menschen, mit dem einen das eigene Kind verbindet, nie ganz verlassen. Die Fäden des gemeinsamen Schicksals bleiben auf immer verknüpft. Schließlich findet sie eine neue Liebe, wagt sich noch einmal in das höchst komplizierte Gebilde einer neuen, einer “späten” Familie, auf der viele Hoffnungen ruhen und die dennoch auf lange Zeit eine empfindsame, zarte Pflanze bleibt, deren Überleben keineswegs gesichert ist.

Ich habe zum ersten Mal einen Roman dieser israelischen Autorin gelesen. Er handelt vom Ende einer Ehe und dem Beginn einer neuen Liebe. Ella Miller verbindet mit ihrem Mann Amnon nur noch das gemeinsame Kind Gill und sie trennt sich von ihm. Nun kommen Verunsicherung und Selbstzweifel statt der großen Erleichterung. Von Eltern und Freunden erhält sie nur Vorwürfe statt Verständnis. Aus dieser Perspektive heraus schildert sie den Trennungsprozess und man kann das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Immer tiefer wird man in die Abgründe der menschlichen Seele hineingezogen.

Als sie den Psyiater Oded kennenlernt, schafft sie es ganz langsam wieder aus dem Seelensumpf heraus. Es folgen allerdings schnell Ernüchterung und neue Probleme, nachdem die erste Verliebtheitsphase vorbei ist. Oded ist der Vater von Jotam, Gills bestem Freund, und auch Odeds Frau Michal ist Ella durch die gemeinsame Schule der beiden Jungen bekannt …

Diese ganze schmerzhafte und problemhafte Entstehung einer neuen Beziehung, einer neuen Familie, eben einer “späten” Familie, ist das eindruckvollste, was ich seit langem gelesen habe. Dieser Roman ist ein Kunstwerk und Schmöker zugleich, er schlägt eine Brücke zwischen hoher und eingängiger Literatur. Auch wenn man nicht so ein Fan von “Liebesromanen” ist, diesen sollte man meiner Meinung nach auf jeden Fall lesen.

Was Menschen für Menschen geschaffen haben

Donnerstag, 29. Januar 2009

Schon vor einiger Zeit habe ich mir dieses Buch von der Bücherbörse mitgebracht und lange lag es ungelesen im Bücherregal. Als ich Weihnachten ein paar ruhige Tage hatte, habe ich es hervorgeholt und wollte nur mal reingucken. Dann hat es mich so faziniert, dass ich es  - fast - nicht mehr aus der Hand legen konnte. Swantje Strieder und Jürgen Strauss, der die Fotos gemacht hat, haben dieses Buch über Karlheinz Böhm zum 20jährigen Bestehen der Hilfsorganisation Menschen für Menschen” herausgebracht. Das war 2001, fast steht schon das 30jährige vor der Tür.

Als Karlheinz Böhm bei Frank Elstner im ZDF seine Wette verlor und als Wetteinsatz versprochen hatte, den Menschen in Äthiopien zu helfen, da glaubten viele, das sein Strohfeuer eines vom Erfolg verwöhnten Schauspielers. Doch das Engament währt bereits 28 Jahre, und es hält an.

Dieses Buch berichtet zum einen hautnah aus dem notleidenden Kontinent Afrika: Karlheinz Böhm bietet dort Hilfe zur Selbsthilfe für fast zwei Millionen Menschen: keine überdimensionierten Großprojekte, sondern gezielte Entwicklung an der Basis. Zum anderen wird von den Spendern erzählt, die sich für die Menschen in Äthopien engagieren und durch vielfältige, phantasievolle und von Herzen kommende Aktivitäten Geld für die Hilfsorganisation Menschen für Menschen sammeln.

1984 hatte die Journalistin Swantje Strieder zum ersten Mal Karlheinz Böhm in Äthopien aufgesucht, um für den Spiegel eine Reportage zu verfassen. Seitdem hat sie die Hilfsprojekte immer wieder besichtigt und darüber berichtet. Sie sah sich Aufforstungen und Öko-Projekte in Dürregebiete an, sprach mit Musterbauern und sesshaft gewordenen Nomaden. Sie feierte mit Frauen und Mädchen die Abschaffung des grausamen Beschneidungsrituals, trank Kaffee mit armen Witwen, die durch einen Kleinkredit zu Unternehmerinnen geworden sind. Sie spielte mit AIDS-Waisen im Kinderheim und besuchte das Mädchen Lettekiros, das Böhm vor vielen Jahren vor dem Hungertod gerettet hatte. Später wurde sie von Karlheinz Böhm und seiner Frau adoptiert. Eine Spende über rund 70 Euro rettete ihr Leben!

Dieses Buch zeigt, wie wichtig und einfallsreich Menschen sind, die für andere spenden. Und es zeigt, dass die Hilfe bei den Hilfsbedürftigen ankommt und wie sie ankommt.

Für mich eines der fazinierensten Bücher, die ich in der letzten Zeit in der Hand hatte. Und es beeinhaltet alles, was für mich wichtig und spannend ist. Die Idee, anderen Menschen zu helfen und das auch in diesem Maße zu schaffen und dann das Land Afrika, der Kontinent, den ich gerne kennen lernen würde.

“Du auf deinem höchsten Dach”

Mittwoch, 28. Januar 2009

Ich mag Bücher … weil sie so schön bunt sind. Ich meine damit natürlich nicht gelb, rot oder blau und auch nicht Bücher mit bunten Bildern. Sondern ich meine die bunte Mischung Menschen, die einem in Büchern begegnen. Besonders in dieser Familienbiografie über Tilly Wedekind und ihren Töchtern von Anatol Regnier begegnen einem eine Menge der unterschiedlichsten Menschen aus dem künstlerischen Bereich.

Als Frank Wedekind am 9. März 1918 im Alter von dreiundfünfzig Jahren stirbt, hinterlässt der provokanteste Dramatiker seiner Zeit eine bildschöne junge Frau und zwei kleine Töchter. Hinter der Schauspielerin Tilly Newes liegen zwölf Jahre kräftezehrenden Zusammenlebens mit einem Mann, dessen erotisches Credo der Realität nicht standhielt. Wedekinds Tod ist bei aller Trauer eine Befreiung. Tilly blüht auf und hat zahlreiche Verehrer. Die Töchter Pamela und Kadidja wachsen hinein in die Künstlerboheme der 20er Jahre. Pamela freundet sich eng mit den Mann-Kindern Erika und Klaus an, vierter im Bunde ist der junge Schauspieler Gustaf Gründgens.

Zum Eklat kommt es, als Pamela den fast dreizig Jahre älteren Dramatiker Carl Sternheim heiratet. Tilly, die immer stärker unter einer manisch-depressiven Erkrankung leidet, beginnt um diese Zeit eine leidenschaftliche Liason mit dem Lyriker Gottfried Benn. 1938 geht Kadidja nach Amerika, Pamela und Tilly bleiben und arrangieren sich mit dem Dritten Reich. Kadidja wird ihnen dies nie verzeihen. Nach ihrer Rückkehr 1949 kommt es zum Bruch.

Anatol Regnier, Enkel von Frank und Tilly Wedekind und Sohn der Wedekind-Tochter Pamela, hat für die vorliegende Biografie erstmals Teile des unter Verschluss gehaltenen Familienarchives ausgewertet. Er zeichnet ein in vielen Zügen unbekanntes Bild von Tilly Wedekind und ihren Töchtern. Ihm gelingt ein faszinierendes Psychogramm dreier Frauen zwischen künstlerischem Anspruch und Lebensangst im Schatten eines großen Schriftstellers.

Er schreibt eine umfangreiche, persönlich gefärbte Familiebiografie, die trotz des nahen Verwandtschaftsgrades die nötige Distanz nicht vermissen lässt. Die Schwierigkeiten der Ehe Tillys mit dem geistig überlegenen Frank Wedekind, die sich nicht zuletzt auch aus dem großen Altersunterschied ergeben, werden eben so wenig verschwiegen, wie die Verfehlungen Pamelas, die Tillys Fehler in ihrer überstürzten Ehe mit Sternheim wiederholt. Ausserdem erhält man interessante Einblicke in die Jugendfreundschaft Pamelas mit den “Mann-Twins” und lernt schließlich auch die zweite Tochter Kadidja, die trotz vielfältiger Talente nie richtig Fuss fassen konnte, kennen. Nicht zuletzt erneut ein examplarisches Beispiel, wie die Zeitläufe des 20. Jahrhunderts Künstlerleben beeinflussten.

“Ungeliebtes Wunschkind”

Sonntag, 25. Januar 2009

Ich mag Bücher …, obwohl wir auch schon mal verschiedener Meinung sind.

In diesem Buch von Petra Dreyer geht es um ihr behindertes Kind. Mein Sohn wurde vor fast 29 Jahren unter fast den gleichen dramatischen Umständen geboren wie ihr Sohn. Auch wir wussten nicht, wird er ganz gesund oder bleiben durch die schwierige Geburt und die lange Brutkastenzeit Behinderungen zurück. Allerdings habe ich nicht eine Minute den Gedanken gehabt, dieses Kind nicht haben zu wollen. Ich habe es von der ersten Minute an geliebt und hätte es um nichts in der Welt wieder hergeben wollen. Selbst mit der schlimmsten Behinderung nicht. Allerdings haben wir das große Glück gehabt, dass nach anfänglichen Entwicklungsverzögerungen, die innerhalb von 2 Jahren aufgeholt waren, er ganz gesund war.

Doch nun erst einmal zum Buch: Das ersehnte Kind wird unter großen Komplikationen geboren und mit Hilfe der Technik zum Leben gezwungen: Geistig schwer behindert. Wie wird die Mutter damit fertig, dass sie von nun an für ein “solches” Kind dazusein hat.

Zunächst setzen lange Phasen tiefer Verzweiflung ein, unterbrochen von kurzen Hoffnungsschimmern. Wäre es nicht für alle besser, dieses stumpfsinnige Wesen könnte sterben? Äußerlich sieht man ihm nichts an, es ist sogar hübsch, vielleicht bessert sich ja sein Zustand noch, und es wird ganz normal! Irgendwann wird die innere Versteinerung der Mutter durch zaghafte Fragen nach den Möglichkeiten einer gemeinsamen Zukunft ohne Ablehnung und Ausklammerung der Behinderung aufgebrochen. In einer Art Selbstanalyse setzt sie eine Wandlung in Gang, die zu einer inneren Befreiung führt und ihr dadurch die Annahme des Kindes ermöglicht. Es gelingt ihr auch noch ein weiterer Schritt: Sie erkennt, wie sinnlos in diesem Fall für sie selber und für das Kind die quälenden Versuche sind, mit Medikamenten und allen möglichen Therapien den Schaden ungeschehen zu machen. In einem eindringlich beschriebenen Eintscheidungsprozeß kommt sie dahin, die Behinderung ihres Kindes konstruktiv in ihr Leben einzubeziehen und sich von allen illusionären Vorstellungen frei zu machen.

Gerne hätte ich die beiden Dokumentarfilme über Jens gesehen, die wohl schon hin und wieder mal im Fernsehen gelaufen sind. In einem Film ist er 9 Jahre, im zweiten Film dann 16 Jahre alt. So wie ich gelesen habe, äußerten sich die Eltern in beiden Filmen zu den ersten Wochen und Monaten mit ihrem Kind und auch über den Wunsch, der damals aufkam: Dieses Kind möge nicht leben … Auch im Buch liest man von den massiven Schwieigkeiten, die die Situation speziell der Mutter bereitet hat, und vom familiären Hintergrund. Petra Dreyer ist als ältere Schwester eines ebenfalls behinderten Bruders aufgewachsen und musste immer zurückstecken und “funktionieren” - und nun ist sie in diese Rolle zurückgedrängt worden. Sie ist nicht Supermutter eines Superkindes. Sie bezeichnet Jens als schwachsinniges Kind, das nur Arbeit macht, und gerät in Wut und Isolation. Erst langsam beginnt sie sich auf seine Perspektive einzulassen, an die Möglichkeit zu denken, dass auch er in irgendeiner Weise seine Umwelt, seine Situation und seine Schmerzen wahrnehmen kann, und dass sein Schreien die einzige Möglichkeit für ihn ist, Protest einzulegen … Nun gelingt es ihr etwas besser, ihn zu akzeptieren und um sein Wohl zu kämpfen. Es finden sich Ansätze einer Versöhnung mit der Situation in dem Buch, das aber zunächst und über weite Strecken ihren Schmerz und ihre Isolation verdeutlicht.

Ich habe, da der Eintritt in diese Welt bei unseren beiden Söhnen gleichmaßen dramatisch war, das Buch mit Interesse und Spannung gelesen. Zweifellos war es für Petra Dreyer sehr wichtig, ihre Gefühle ordnen und äußern zu können, vielleicht auch, sich in irgendeiner Weise zu rechtfertigen - wieviel das dem Leser “nützt”, ist, wie bei all diesen Erfahrungsberichten, die Frage. Was mich traurig stimmt, ist nicht nur, dass das Leben ihres Kindes und damit der ganzen Familie durch das Geburtsproblem so massiv beeinträchtigt wurde, sondern auch, dass der Prozess, den sie durchmachen musste, offenbar so lang und so schwierig war, dass sie das Wagnis einer zweiten Schwangerschaft nicht auf sich nehmen wollte. Sie hat selbst erlebt, welche Fehler Eltern machen, die neben einem behinderten auch ein nichtbehindertes Kind haben, aber vielleicht hätte sie als Mutter diesen Fehler vermeiden und doch auch noch ein “normales” Familienleben erleben können. Auch würde mich interessieren, wie sie diese Dinge heute sieht, denn dieses Buch endet etwa mit Jens’ zweitem Lebensjahr.

“Rote Sonne, schwarzes Land”

Sonntag, 11. Januar 2009

Ich mag Bücher, … weil sie mir die Welt zeigen, wie sie ist. Ich selber bin ja nicht so ein großer Reisefan, aber meinen Lieblingskontinent Afrika hätte ich schon gerne mal besucht. Leider fehlt mir das Geld dazu. Aber in diesem Roman von Barbara Wood konnte ich viel von dort lesen.

Deborah Treverton flieht aus einem brennenden Land, aus Kenia, wo der Konflikt zwischen Schwarz und Weiß sich offen entlädt. Der Orkan ist entfesselt. Schönheit und Haß, Triumpf und Verzweiflung, Zerstörung und Zärtlichkeit prallen offen gegeneinander. Aber sie flieht auch vor einer verbotenen Liebe.

Und vor dem Fluch, den die angesehene und gefürchtete Medizinfrau Wachera über ihre Familie verhängt hat. Jahre später wird sie nach Kenia zurückkehren und stößt überall auf die Spuren ihrer Vorfahren, die als britische Kolonialherren das Schicksal des Landes geprägt haben. Auf der Suche nach ihrer Indentität muß sie sich ständig der Frage stellen: “Ist Afrika meine Heimat?”

Ich lese ja durch die Bank weg alles, was mir so unter die Finger kommt. So habe ich auch schon einiges anderes von Barbara Wood gelesen. “Rote Sonne, schwarzes Land” ist meiner Meinung nach eines ihrer besten Bücher. Man sollte sich nicht von den über 700 eng bedruckten Seiten schrecken lassen - man kann das Buch kaum aus der Hand legen. Sehr intensiv recheriert erzählt B. Wood die Familiensaga der britischen Kolonisten-Familie Treverton, die Anfang des Jahrhunderts ihr Glück im damals noch fast unberührten Kenia sucht. Die Hauptfigur, Grace, ist Ärztin und schafft es, trotz finanzieller Schwierigkeiten, Widerstäde in der eigenen Familie und dem immer währenden Kampf gegen afrikanische Medizin und Kultur, eine Mission aufzubauen. Über 70 Jahre hinweg ergreifen den Leser die Schicksale der Familie und vieler Menschen in ihrem Umfeld. Es fasziniert die rasante Entwicklung eines bis dahin von der westlichen Welt fast unberührten Landes innerhalb nur eines Jahrhunderts. Man hat fast das Gefühl, Kenia zu kennen und mindestens das Bedürfnis, das Land einmal selbst zu bereisen. Mir hat an diesem Buch gut gefallen, dass dem Leser neben der eigentlichen Geschichte sehr viel über die Kultur des Landes, die alten Sitten und auch über die teilweise dramatischen politischen Entwicklungen in Kenia vermittelt wird. Besser kann Geschichte “in Verpackung” kaum beschrieben werden!

Sabriye Tenberken

Sonntag, 21. Dezember 2008

Sabriye Tenberken, die Autorin von “Mein Weg führt nach Tibet”, Jahrgang 1970, stammt aus der Nähe von Bonn. Als sie zwei Jahre alt war, wurde bei ihr eine Netzhauterkrankung festgestellt, die unweigerlich zur Erblindung führt. Sie hat Tibetologie, Soziologie und Philosophie studiert und kümmerte sich um den Ausbau und Betrieb einen Blindenschule und eines Ausbildungszentrums für Blinde in Lhasa.. Am 8. März 2000 erhielt sie für ihr Engagement den Norgall-Preis des International Women’s Club.

2008 schafft es Sabriye Tenberken mit ihrem Projekt sogar ins Kino: Für den Dokumentalfilm “Blindsight” erklettert die Deutsche mit sechs ihrer Blindenschüler einen Nebengipfel des Mount Everest. Und zeigt so der ganzen Welt: “Alles ist möglich!”