Kofferkuli
Sonntag, 31. August 2008Ich muss noch mal auf meine Fahrt nach Soest zurückkommen. In Soest wird zur Zeit der Bahnhof umgebaut. Dazu hat man einen Übergang über die Gleise gelegt, der nur mit viel Treppensteigen zu bewältigen ist. Ich habe die Stufen nicht gezählt, aber es war schon recht beschwerlich, auf der einen Seite mit dem Koffer rauf und auf der anderen wieder runter zu kommen. Da es für ältere Menschen oder auch Mütter mit Kinderwagen sehr mühsam wäre, auf den Bahnsteig zu kommen, hat man dort Menschen angestellt, die helfen sollen. Gepäckträger sozusagen. Das hat mich an alte Filme von früher erinnert. Aber wo sind die eigentlich geblieben?
Gepäckträger war einst, wenn schon keine Berufung, so doch ein ehrbarer Beruf. Dann plötzlich standen auf den Bahnsteigen überall diese angeketteten Wagen herum, mit denen man sein Gepäck selbst transportieren konnte. Noch heute fordern sie den Benutzer - neben einem Pfand - etwas Geschicklichkeit und Mut ab, vor allem auf Rolltreppen. Diese Wagen heißen Kofferkulis, wobei das Wort “Kuli” nichts mit unserem Kugelschreiber zu tun hat. Einst gab es einen indischen Volksstamm dieses Namens, und weil viele Stammesmitglieder in der Fremde als Tagelöhner arbeiten mussten, entwickelte sich der Begriff zum Synonym für ausgebeutete Arbeiter.