“Liebe ist kein Argument”
29. Mai 2008Ich mag Bücher, weil sie mich in Zeiten entführen, die auch für mich schon lange zurück liegen, wie in diesem Roman - ein weiterer von Leonie Ossowski - in die 60er Jahre.
Zum Inhalt:
Lea, vierzig Jahre alt, Frau eines Heidelberger Arztes und Mutter zweier Töchter, ist an einem Punkt in ihrem Leben angelangt, da die Weichen entgültig gestellt scheinen und ihr selbst die Träume abhanden gekommen sind. Da gerät sie zufällig in eine Studentendemonstration, begegnet Max. Durch ihn, den sie zu lieben glaubt, entdeckt sie neue Perspektiven für sich, gewinnt Freunde, engagiert sich zum ersten Mal für eine Sache. Dass Katharina, die verletzlichere, verträumtere der Zwillingstöchter, Max Zuneignung entgegen bringt, nimmt Lea zunächst kaum war. Hat nicht auch sie ein Recht darauf, endlich ihr eigenes Leben zu leben?
Das Gefüge der Beziehungen droht auseinander zu brechen. Felix, Leas Mann, begreift nicht, warum ausgerechnet ihm dieses Unglück zustoßen muss, ihm, der doch nichts weiter für sich und seine Familie will als Geborgenheit und materielles Wohlergehen. Auch die Töchter nehmen voller Angst und Misstrauen Anstoß an den Bemühungen der Mutter, endlich ein selbstständiger Mensch zu werden.
Leonie Ossowski, die Autorin der “Weichselkirschen” und der “Großen Flatter”, schildert in diesem Roman eine archetypische bürgerliche Familie unserer Tage, zeigt die vielfältigen sozialen Bindungen, aus denen Konflikte zwischen Männern und Frauen, Eltern und Kindern entstehen können. Sie weicht jedoch vom üblichen Schema ab, indem sie um Verständnis wirbt für die Mutter, die beim Versuch, ein Stück Freiheit für sich zu gewinnen, plötzlich in Konkurrenz mit den eigenen Töchtern tritt, und deren Suche nach sich selbst notwendig bedeutet, dass anderen Menschen Wunden zugefügt werden. Ihr Buch ist nicht nur ein Spiegelbild der turbulenten sechziger Jahre, die den Hintergrund der Handlung bilden, sondern auch unserer Gegenwart.