“La Noia”
1. Mai 2008Ich mag Bücher …
weil ich mich dabei in das Leben anderer Menschen versetzen kann.
Das ist mir bei diesem Buch von Alberto Moravia allerdings nicht gelungen. Ein Leben, wie es der Maler Dino in diesem Roman führt, möchte ich nicht leben.
Zum Inhalt: Der 35-jährige Maler Dino braucht als Sohn einer reichen Mutter nicht für seinen Lebensunterhalt aufzukommen. Schließlich gibt er aus einem Gefühl der Sinnlosigkeit auch das Malen auf, behält jedoch sein Atelier bei, um sich von seiner Mutter und deren gesellschaftlichem Leben zu distanzieren. Er lernt die 17-jährige Cecilia kennen, die Geliebte und Modell eines älteren Malers war, bis dieser beim Geschlechtsakt mit ihr starb. Nun wird Cecilia Dinos Geliebte. Dieses in den Tag hineinlebende Geschöpf, das nach den Worten seiner Mutter “an niemandem hängt”, erschüttert Dinos Leben. Während er sich von ihr zunächst ebenfalls gelangweilt fühlt, rüttelt ihn ihre Gleichgültigkeit schließlich auf. Er verfällt ihr, vorallem als sie beginnt, ihn mit einem Schauspieler zu betrügen. Vergeblich versucht er sie “zu besitzen”. Weder durch Geld noch durch einen Heiratsantrag kann er die Liebe oder zumindest das Interesse des triebhaften Mädchens gewinnen. Während der Rekonvaleszenz nach einem Selbstmordversuch, der ihm als einziger Ausweg erschienen war, legt er sich Rechenschaft ab über seine Situation. Mit dem Verzicht auf das Mädchen scheint ihm ein neues Leben möglich. Auch denkt er darüber nach, die Malerei wieder aufzunehmen.
Dieses Buch hat eine große Faszination. Der Maler Dino, jeder geordneten Tätigkeit überdrüssig, verliebt sich in ein Modell, das ihm körperlich willig ist, sich ihm aber geistig immer wieder entzieht. Mit allen Mitteln versucht er, ihre innere Nähe zu gewinnen, er opfert für sie alles, was ihm etwas wert war, doch sie öffnet sich im nicht.
So wie das Modell den Maler in seinen Bann zieht, so bannt Moravia auch seinen Leser an das Schicksal dieses merkwürdigen Paares. Ein Buch, das man schwer aus der Hand legen kann.