Alberto Moravia
1. Mai 2008Hier nun auch gleich noch ein paar Sätze zum Autor von “La Noia”, welches ich im vorigen Artikel vorgestellt habe.
Moravia (eigentlich Alberto Pincherle), geboren am 28. November 1907 in Rom als Sohn eines aus Mähren stammenden, wohlhabenden Architekten, zählt zu einem der größten Meistern des psychologischen Realismus. In seiner Jugend war er jahrelang ans Bett gefesselt, ein Privatlehrer erzog ihn, und er lernte fast ausschließlich die Welt der Reichen kennen; endlich genas er völlig. Als Zweiundzwanzigjähriger erregte er 1929 mit dem Roman “Die Gleichgültigen”, in dem bereits gewisse Akkorde von “La Noia” anklingen, großes Aufsehen. Das faschistische Regime - zu dem er sich vor allem mit der Veröffentlichung der Satire “La mascherata” (1941) in deutliche Gegnerschaft brachte - verbot das Buch nach der fünften Auflage.
Wenige zeitgenössische Autoren haben derart leidenschaftlich Ablehnung und Zuspruch gefunden wie Alberto Moravia, was die Wahl seiner Themen und die Art seiner Weltschau betrifft; über seine hervorragende schriftstellerische Begabung sind sich Gegner wie Freunde einigermaßen einig. 1952 hatte die Kongregation des Heiligen Offiziums in Rom seine sämtlichen Werke auf den Index gesetzt; der “Osservatore Romano” hatte davon gesprochen, das Moravia leider nur negative Seiten des Daseins darzustellen pflege und dadurch den Eindruck erwecke, das Leben ausschließlich aller Menschen verlaufe so. Anderen Orts rühmte man dagegen seine rücksichtslos entlarvende, in ihrer Tiefe an Dostojewski erinnernde Gesellschaftskritik, die fundamentale Krankheitssymtome der Zeit aufdecke. Neben dem Roman “Gefährliches Spiel” (1935), Agostino (1944), “Die Römerin” (1947), “Der Konformist” (1951), “Die Verachtung” (1954), “Cesira” (1957), “Inzest” (1966) und zahlreichen glänzenden Erzählungen zählt “La Noia” zu Moravias gelungensten Werken.
Moravia starb am 26. September 1990 in seiner römischen Wohnung am Tiberufer an einem Herzversagen.