Archiv für den 6. April 2008

Kumpel

Sonntag, 6. April 2008

Ich habe viele Freundinnen oder ganz gute Bekannte. Zum Teil kennen wir uns schon 25 Jahre. Wir unternehmen viel zusammen und ich weiß, dass ich mich auf jede Einzelne verlassen kann. Nur - als Kumpel würde ich sie nicht bezeichnen. Ich glaube, dass ist auch kein Begriff, der unter Frauen angewandt wird. Aber was ist überkhaupt ein Kumpel.

Ein Kumpel ist ein Mensch, auf den man sich verlassen kann. Übersetzt bedeutet das Wort so etwas wie “kleiner Brotgenosse”. Der Kumpel ist nämlich eine Verkleinerungsform des Kumpans, der wiederum auf den lateinischen “companio”, den “Brotgenossen, Gefährten”, zurückgeht (in “companio” ist noch das lateinische “panis” für Brot erkennbar). Das Wort Kumpel ist jedoch jung, es kam erst im 20. Jahrhundert im Bergbau zum Einsatz. Dort wird es noch heute synonym für den Bergmann verwendet. Bei der schweren Arbeit unter Tage muss man sich auf seine Arbeitskameraden eben besonders gut verlassen können.

“Elizabeth auf Rügen”

Sonntag, 6. April 2008

Bei der vielen Zeit, die ich heute im Zug oder auf dem Bahnsteig verbracht habe, konnte ich richtig viel lesen. Seit dem ich Katha kenne, die immer ein Buch bei sich trägt, tue ich das, gerade bei solchen Gelegenheiten auch. Mitgenommen hatte ich das Buch: “Elizabeth auf Rügen” von Elizabeth von Arnim.

An einem heißen Sommertag beschließt Elizabeth, eine Reise nach, quer durch und um Rügen herum zu unternehmen, um der trockenen Luft und der sengenden Sonne auf dem Land zu entfliehen - ans Meer. Sie reist mit eigener Kutsche, zusammen mit Jungfer Gertrud und Kutscher August, um den Konventionen der Zeit - es ist das Jahrzehnt vor dem ersten Weltkrieg - gerecht zu werden und nicht den Zorn ihres Ehemannes auf sich zu ziehen. Doch aus dem sehnlichst erhofften Alleinsein in der Natur wird nichts: Es ist Ferienzeit und die Insel überfüllt mit lärmenden Urlaubern …

Die Schilderungen der kleinen Abenteuer und Ereignisse sowie die atomsphärisch reizvollen Naturbeobachtungen machen diesen Roman zu einem leichten, unbeschwerten Lesevergnügen.

Ich war noch nie auf Rügen, sollte ich aber mal dort hin fahren, könnte ich mir vorstellen, mir Elizabeth (auf Rügen) als Reisebegleiterin auszuwählen. Sicher werde ich nie mit einer Kutsche dort hinreisen, trotz allem macht es Lust auf Rügen. Die Autorin versteht es sehr reizvoll, eine Reisebeschreibung, sortiert nach Tagen und verschiedenen Zielen (wie z.B. Göhren, Thiessow, Sellin …) mit einer kleinen Handlung zu versehen. Obwohl es damals noch befremdlich war, wenn eine Frau allein auf Reisen ging, schildert die Autorin dies mit viel Selbstironie und man schließt die Personen, die Elizabeth auf ihrer Reise begegnen, gleich ins Herz. Insbesondere die anscheinend frauenrechtlerische Cousine lässt den Leser mehr als einmal schmunzeln. Elizabeth würde ihre Reise ja lieber alleine fortsetzen, aber … Die Nerven, die sie in jeder Situation behält, sind manchmal bewunderungswürdig. Ich will jedoch nicht zuviel verraten. Es ist ein sehr amüsantes Buch, das, obwohl es bereits 1898 erschienen ist und sich auf Rügen auch sicherlich vieles verändert hat, eine Reiselektüre, die für jeden Rügen-Urlauber ein Muss sein sollte. Ich habe mir das Buch schon vor längerem von der Bücherbörse mitgenommen und jetzt war es dran, gelesen zu werden. Heute für die Zugfahrt war es genau das Richtige.

Schmarotzen

Sonntag, 6. April 2008

Auf dem Rückweg von Köln ging ein Mann durch den Zug, der uns allen ein Bild von einem kleinen Kind hinhielt und dafür Geld sammeln wollte.

Ich habe immer wieder meine Probleme damit, wenn mich solche Menschen direkt ansprechen. Das bringt mich in Gewissenskonflikte, auch wenn mir Sonntagsmorgens auf dem Weg zum Gottesdienst jemand entgegenkommt und Geld für Kaffee und ein Brötchen will. Auf einer Seite möchte ich gerne helfen, auf der anderen Seite kann ich nicht die ganze Welt reden und ich möchte auch nicht jemandem Geld geben, damit er sich die nächste Pulle Bier kaufen kann.

Bei dem Mann im Zug bin ich allerdings davon überzeugt, dass er das professionell macht. Das habe ich vor ein paar Jahren schon mal erlebt. Da sind mir an unterschiedlichen Tagen unterschiedliche Männer mit dem gleichen Kinderfoto begegnet. Wer geht mit einem eingeschweißten Foto seines Kindes betteln? Das sind für mich Schmarotzer, Menschen, die auf der Mitleidsschiene an das Geld anderer Leute kommen wollen.

Im Mittelalter hieß das Wort “smorotzen” einfach nur “betteln”. Dann veränderte sich die Bedeutung: Wer schmarotzte, lebte auf Kosten anderer. Im 18. Jahrhundert gelangte der Begriff dann in die Wissenschaftssprache: Schmarotzer sind seither Bakterien-, Pflanzen- oder Tierarten, die sich von anderen Lebewesen ernähren. Während des Dritten Reiches wendete man den Ausdruck wieder auf Menschen an, man sprach von “Sozialschmarotzern” und “Volksschädlingen”. Nun ist der diffamierende Begriff plötzlich erneut salonfähig: Vor allem Langzeitarbeitslose müssen sich derzeit gegen den Generalverdacht des Schmarotzertums zur Wehr setzen.

Aktionsgruppentreffen bei medica mondiale

Sonntag, 6. April 2008

Gerade zurück aus Köln sind die Eindrücke von Jahrestreffen der Aktionsgruppen bei medica mondiale noch ganz frisch.

Die Fahrt dort hin war schon ein Erlebnis, bis Essen war noch alles stressfrei. Dort hatte der Zug nach Köln dann schon 15 Minuten Verspätung, in Köln waren es dann 35 Minuten. Mit Hilfe eines Taxis, welches mich dann allerdings am falschen Ende der Straße rausgelassen hat, kam ich doch noch einigermaßen rechtzeitig an.

Nach einer kurzen “Ankommenrunde”, in der jeder kurz erzählte, woher er kommt und wie seine Fahrt war, begann dann um 12 Uhr der Workshop mit Maria Zemp zum Thema “Wie kann ich mich für das Thema sexualisierte Kriegsgewalt gegen Frauen und Mädchen engagieren und dabei selbstfürsorglich bleiben”. Während dieses Workshops habe ich sehr viel über Trauma und Traumatisierung gelernt, was mir hoffentlich bei unseren nächsten “Weitblick”- Aktionen helfen wird. Ich finde es immer wieder interessant, so etwas nicht nur zu lesen, sondern von Mitarbeiterinnen zu hören, die vor Ort - in diesem Fall war es Afghanistan - mit betroffenen Frauen gearbeitet haben.

Nach diesem wirklich sehr interessanten und lehrreichen Workshop und einer kleinen Pause stellten sich die einzelnen Aktionsgruppen vor. Auch dass sehr interessant, zu erfahren, was die anderen so machen. Wobei ich dann immer wieder feststelle, dass die meisten sehr viel Öffentlichkeitsarbeit machen, während wir uns ja mehr darauf spezialisiert haben, Gelder “einzutreiben”.

Bei einem gemeinsamen Abendessen in einem kurdischen Restaurant - übrigens sehr lecker alles - lernten wir dann auch noch andere Mitarbeiterinnen von mm kennen. Unter anderen zwei Frauen, die gerade aus Liberia zurückgekommen waren.

Alles in allem ein sehr interessanter, lehrreicher und motivierender Tag.