Archiv für April 2008

Lebensträume

Dienstag, 29. April 2008

Gibt es jemanden, der keine hat?!?! Ich hatte und habe immer noch deren viele. Manche sind in Erfüllung gegangen, manche nicht. Ich finde es einfach nur schön, sie zu haben. Bei manchen meiner “Lebensträume” weiß ich von vornherein, dass sie nie in Erfüllung gehen werden. Mein momentaner Lebenstraum wäre ein kleiner Bauernhof, mit Tieren, die dort ihr Gnadenbrot bekommen, versorgt von älteren Menschen, die sonst niemanden mehr haben. Wie soll ich so etwas wohl finanzieren? Da müsste ich ja schon im Lotto gewinnen. Aber davon zu träumen ist schön. Ich habe dazu ein nettes Gedicht von Marie-Luise Bald gefunden:

Lebensträume

Lebensträume, diese Gaben

führen hin zum Lebenssinn.

Diese Träume sollt’ man haben

über das ganze Leben hin!

Träumt man sie in stillen Stunden,

mildern sie auch anderes Leid

werden hilfreich stets empfunden,

ein Leben lang - zu jeder Zeit!

28.04.1928

Dienstag, 29. April 2008

Vor 80 Jahren, am 28.4.1928, wurde der französische Maler Yves Klein in Nizza geboren. Trotz seiner nur achtjährigen künstlerischen Laufbahn - von 1954 bis 1962 - gilt er als einer der wichtigsten Künstler der Nachkriegs-Avantgarde und als Vorläufer der Pop-Art. Klein stellt viele traditionelle Ideen über das Wesen, die Produktion und die Präsentation von Kunst in Frage. Bekannt wird er durch seine, auf eine Farbe reduzierte, monochrome Bilder und sein Ultramarinblau, das er als IKB (Interational Klein Blue) patentieren ließ. Werke: “Blaue Periode”, “Ausstellung der Leere”, Essays, Filme. Am 6.6. 1962 stirbt er, 34-jährig, an einem Herzinfarkt.

Wer schon einmal in unserem Musiktheater im Revier war, dem ist Yves Klein auch dort begegnet. Die großformatigen, blauen Schwammreliefs sind von ihm.

Bedrohte Wörter Teil 5: Mischpoke - Oberstübchen

Dienstag, 29. April 2008

Mischpoke

Früher einmal abwertend, heute eher salopp - wenn überhaupt noch verwendet. Das aus dem Jiddischen stammende Wort steht im Brockhaus von 1908 für Sippschaft bzw. Familie, im Jiddischen wurde es wertneutral gebraucht. Vor der Massenvernichtung der europäischen Juden durch die Nationalsozialisten sprachen noch 12 Millionen Menschen die westgermanische Sprache mit slawischen und semitischen Elementen, heute ist sie bedroht.

Oberstübchen

Früher umgangssprachlich für Denkzentrum. Wer im Oberstübchen nicht ganz richtig war, der hatte nicht alle Tassen im Schrank - oder wie man in Berlin (West) sagte: “Der muss mal mit dem 5er bis zur Endstation”(an der Endstation der Buslinie befand sich die Nervenklinik Spandau). Neuerdings konzentriert man sich auf Denkzentren, die im Unterstübchen des Bauches sitzen. Dort sucht die Generation Wellness nach Chakren, Energiebahnen und anderen Kraftquellen. Folgender Hinweis sei deshalb gestattet: Die Buslinie 5 heißt jetzt 130. Sie fährt immer noch zum selben Ziel.

Meine Mutter - Meine Kinder

Montag, 28. April 2008

Wer mich kennt, weiß, dass ich so gar nichts vom Muttertag halte. Zumindest für mich nicht, letztendlich muss jeder selber wissen, wie er diesen Tag feiert. Ich für mich habe mir nichts auf dieser Welt mehr gewünscht als meine Kinder und da ist es doch wohl klar, dass ich mich um sie kümmere. Wieso sollten sie mir dafür dankbar sein?

Ich bin aber nicht nur Mutter, sondern ich bin auch Tochter. Und darum möchte in dieser neuen Rubrik Sprüche und kleine Texte zum Thema Mutter und Kind bringen.

Heute mal etwas von Hans Thoma:

Aus ihrem Bild ersteht mir die große Idee der Mutter: dies trostreiche Bild, das in allem Wirrwarr des Daseins die gütige Natur vorsorglich aufrechterhält und im Hinblick auf das man nie verzweifeln kann.

Gut gefällt mir auch Bertold Brecht.

Meine Mutter: Ich liebte sie auf meine Weise, aber sie wollte auf die ihre geliebt sein.

Bedrohte Wörter Teil 4: Bratkartoffelverhältnis - dufte - Atombusen

Montag, 28. April 2008

Bratkartoffelverhältnis

Wegen der großen Wohnungsnot, vor allem in Großstädten wie Berlin, gingen Frauen und Männer bis ins 19. Jahrhundert Beziehungen ein, nur um Unterkunft und Verpflegung zu sichern. Heute ist die Bewirtung mit Bratkartoffeln selbst in zweifelhaften Mietverhältnissen eher unüblich.

dufte

In Zeiten der Käseigel und Kittelschürzen benutzen junge Männer Ausdrücke wie “dufte Bienen” gern für flotte Mädchen. “Dufte” lebt entsprechend nur noch in lustigen Filmen aus den 70er Jahren fort, in denen Jungs in Ringelpullover in Umkleidekabinen einbrechen, um heißen Fegern heimlich die geblümten Kleidchen zu klauen. Heute ist das Atjektiv so (un) modern wie “Derrick-Brille” oder “Rummenigges-Gedächtnis-Frisur”.

Atombusen

In den Film-Illustrierten der 50er Jahre war diese Umschreibung einer großen Oberweite das erste Mal zu lesen. Ob es an der in den 70er Jahren einsetzenden Antiatomkraftbewegung hierzulande liegt, dass es nur noch selten gebraucht wird? Vielleicht ist man heute aber auch nur um immer politisch korrekte Wortwahl bemüht. Nun ja, bis zur Endlagerung des Wortes wird es sicherlich gelegentlich noch wiederaufbereitet werden.

Vielfrass

Sonntag, 27. April 2008

Ich war heute einer. Bis zum Nachmittag ging es ja noch, aber dann war ich zum Trödelmarkt im Schweizer Dorf und dort gab es so leckeren, selbstgebackenen Kuchen, dass ich einfach nicht widerstehen konnte. Obwohl zu Hause mein Stückchen Kirschstreuselkuchen mit Sahne wartete, den ich mir jeden Sonntag mitbringe, wenn ich vom Gottesdienst komme. Den habe ich dann natürlich auch noch gegessen. Zum Abendessen gab es dann Spargel, Lachs, Nudeln und leckere holländische Soße und, wie immer Sonntags beim Tatort auch noch Nachtisch. Da ging es mir besser, als dem wirklichen Vielfrass, von dem ich eigentlich schreiben will.

Der Vielfrass ist eine Kreuzung zwischen Marder und Bär und er ist nicht wegen seines übergroßen Appetits bekannt. Da er kein sonderlich guter Jäger ist, muss er oft mit dem vorlieb nehmen, was andere übrig lassen - da das manchmal auch Knochen sind, wäre die Bezeichnung Allesfraß viel zutreffender. Der Name des über einen Meter großen Pelztiers hat also nichts mit Essgewohnheiten zu tun, er geht auf eine falsche Übersetzung zurück: Es wird vermutet, das Pelzjäger im 15. Jahrhundert das norwegische Wort “fjeldfross” zu “velefras”, also Vielfresser, verballhornten. In Wirklichkeit bedeutet es nur “Bergkatze”.

Bedrohte Wörter Teil 3: Pomadenhengst - Knicks - Schlafittchen

Sonntag, 27. April 2008

Pomadenhengst

Spottwort auf einen stark pomadisierten Aufschneider, der meint, seine Männlichkeit mit einer zurechtgeschmierten Sturmfrisur besonders betonen zu können. In der 20er Jahren bei Eintänzern und Tangojünglingen, in den 50ern bei Halbstarken üblich. Das Wort hielt sich jahrzehnte lang im Duden und wurde erst in der 22. Auflage im Jahre 2000 dort entfernt. Mittlerweile benutzen die Pomadenhengste lieber Haargel. Man sieht sie samstagabends in der Fußgängerzone glänzen.

Knicks

Noch im 20. Jahrhundert mussten Mädchen ihn erlernen: zur Begrüßung einmal kurz in den Knien eingeknickt und brav lächeln - Jungs machten bei gleicher Gelegenheit einen artigen Diener. Gehört längst in das Museum ausgestorbener Höflichkeitsbekundungen.

Schlafittchen

Wer daran gepackt wird, dem geht es an den Kragen. Das schöne Wort ist die Verniedlichung des alten Wortes Schlafittich (Schlagflügel), und damit war nichts anderes als ein Hemd- oder Jackenkragen gemeint.

Knusprige Chips

Sonntag, 27. April 2008

Um weich gewordene Kartoffelchips wieder schön kunsprig zu bekommen, legt sie einfach auf ein Backblech und backt sie einige Minuten unter dem vorgeheißten Grill auf. Das funktioniert auch mit weichgewordenen Salzstangen, Kräcker oder Cornflakes, die dadurch wieder schön knackig werden.

Sister Act

Sonntag, 27. April 2008

In der Flora präsentierte heute Abend die Theatergruppe “ZUGABE” die musikalische Krimikomödie: Sister Act - Frei nach dem gleichnamigen Film.

Die Gelsenkirchener Theatergruppe “ZUGABE” wurde 1994 als Seniorentheatergruppe gegründet und führte bis zum Jahre 2004 fünf Theaterstücke auf (zuerst Wilhelminenstraße, es folgten Emisija, Die Altenrepublik, Magnolien aus Stahl und Lebenskünstlerinnen unter sich). Fünfzehn spielfreudige Seniorinnen zwischen 60 und 86 Jahren waren mit Feuereifer dabei. 1998 verkleinerte sich die Gruppe um den Regisseur Jörg Willms und agierte von nun an als freie Theatergruppe, ganz auf sich allein gestellt. Nach dem die Gruppe im Jahre 2004 erfolgreich ihre Eigenproduktion Lebenskünsterlerinnen unter sich für die Bühne inszeniert hat, traten neue - jetzt auch männliche Mitglieder - hinzu. Offen für alle Altersgruppen sind die Mitglieder(innen) jetzt zwischen 20 und 79 Jahre alt.

Regie führte erneut der freiberufliche Bochumer Regisseur und Schauspieler Jörg Willms, der 14 Jahre lang in Gelsenkirchen gewohnt hat (derzeitiger Wohnort ist Essen), und der sich vor allem durch seine erfolgreichen Theaterproduktionen in Essen, Bottrop und Gladbeck einen Namen gemacht hat. Momentan leitet er rund 20 unterschiedliche Theatergruppen in NRW.

Zum Stück Sister Act

Nachdem die Nachtclubsängerin Delores Zeugin wird, wie ihr Freund, der Mafiaboss Vince, seinen Fahrer kaltblütig ermordet, muss sie untertauchen. Ein befreundeter Polizist bringt sie an dem Ort unter, wo man zu allerletzt nach ihr suchen würde: einem Kloster in San Francisco. Nur schwer gelingt es der genusssüchtigen Ulknudel, sich an das rigide und von Verboten bestimmte Askese-Leben der Nonnen zu gewöhnen. Doch als ihr die Leitung des maroden Konventchors übertragen wird, fliegen ihr die Herzen zu und Delores und die Schwestern blühen sichtlich auf. Ihre verkirchlichten Soulklassiker sind so erfolgreich, dass der Chor schnell lokale Berühmtheit erlangt. Bei einer Fernsehnübertragung entdeckt Vince Delores, doch die Nonnen helfen der ehemaligen Sünderin beim Kampf gegen die Bösewichte. Kein Wunder, dass auch der Papst am Schluss von “Sister Act” begeistert ist: Die charmante Komödie steckt voller Pep, Witz und großartiger Gags - so sicher wie das Amen in der Kirche! :)

Bedrohte Wörter Teil 2 Trantüte - Persilschein - Gänsewein

Sonntag, 27. April 2008

Trantüte

Wenig schmeichelhafte Personenbezeichnung, die reaktionsschwache Mitmenschen früher oft hören mussten: “Du Trantüte!” Über die Herkunft des Wortes streiten sich die Experten. Tran ist ein aus Fischen oder Meeressäugern gewonnenes Öl, das durch Erhitzen oder Ausschmelzen des Fettes destilliert wird und bis ins 19. Jahrhundert als Lampenöl diente, aber auch zur Herstellung von Seife und Margarine. Es riecht unangenehm und schmeckt nicht besser. Möglicherweise wurde das Wort zur Herabwürdigung von Personen gebraucht, weil sich der Tran durch zähe, langsame Fließeigenschaften auszeichnet.

Persilschein

Nicht nur sauber, sondern rein … Die Waschmittelwerbung von “Persil” stand Pate für eine ganz besondere Reinwaschung: Wer nach 1945 politisch wieder aktiv werden wollte, brauchte eine Entnazifizierungsurkunde. Manche erwarben den begehrten Schein auf dem Schwarzmarkt. Nach dem Motto: Tausche 20 Panzerfäuste und Bohnenkaffee … So begannen nicht wenige vielversprechende Nachriegskarrieren.

Gänsewein

Gänsewein verfügt weder über besondere Reife noch muss er lange lagern. Es handelt sich schlicht um Wasser. Ursprünglich nannte man Gänsewein auch ein erfrischendes Sommergetränk aus mit etwas Essig versetztem Zuckerwasser. In Zeiten von “Bionade” und Wellness-Wasser hat sich der Gänsewein allerdings ganz leise prickelnd verabschiedet.